Wenn du ein Erlebnis-Shop bist
Fashion, Lifestyle, Interior, Schmuck, Geschenke – hier hat Agentic Commerce tendenziell einen geringeren Einfluss auf den Kaufprozess. Bei einem persönlichen Kauf wie dem perfekten Geburtstagsgeschenk für die beste Freundin bleibt die Entscheidung für viele Menschen ein wichtiger Teil des Einkaufserlebnisses.
Das bedeutet aber nicht, dass Erlebnis-Shops den Wandel ignorieren können. Wer durch Agenten mehr Routinekäufe automatisiert, hat insgesamt weniger Zeit und Geduld für mittelmäßige Shoppingerlebnisse. Dazu kommt, dass Discovery und Auswahl künftig stärker in LLMs oder KI-Assistenten stattfinden können. In diesem Zusammenhang fällt auch immer wieder der Begriff Zero Click Commerce. Dieser beschreibt die Vorstellung, dass Nutzer immer weniger klassische Shop-Schritte selbst durchlaufen. Wie weit das geht, wird sich erst zeigen. Klar ist aber: Auch inspirierende Käufe beginnen zunehmend mit einer Frage an einen KI-Assistenten. Saubere Produktdaten und technische Anschlussfähigkeit bleiben deshalb auch für Erlebnis-Shops relevant. Wer dort nicht auffindbar ist, verliert potenzielle Besucher, bevor sie überhaupt in den Shop kommen.
Doch auch wenn Discovery künftig stärker in externen Interfaces stattfinden kann, verschwindet der Shop nicht aus der Customer Journey. Aktuelle Einordnungen, etwa von Adyen, zeigen, dass diese Systeme für Händler ein zusätzlicher Kanal sein können, um Nutzer mit hoher Kaufabsicht zu erreichen. Gleichzeitig entsteht in neutralen Chatoberflächen nicht automatisch das Gefühl von Vertrautheit, Orientierung und Markenwelt, das ein Shop oder eine Markenwebsite vermitteln kann. Genau dieser emotionale Teil des Einkaufserlebnisses sollte nicht unterschätzt werden und ist ein wichtiger Grund dafür, warum der Shop selbst auch im Agentic-Commerce-Zeitalter relevant bleibt.³ Externe KI-Systeme können Aufmerksamkeit erzeugen und Nutzer weiterleiten. Vertrauen, Orientierung, Markenwelt und Kundenbindung entstehen jedoch weiterhin wesentlich im direkten Kontakt mit dem Händler. Für dich als Händler bedeutet das vor allem: Der Shop muss als Erlebnisraum stark genug sein, um Besuche zu rechtfertigen, nicht nur als Transaktionskanal. Personalisierung und Inspiration werden dabei wichtiger, nicht unwichtiger.
Handlungsfelder für Erlebnis-Shops:
- Den Shop als Erlebnisraum stärken und Inspiration, Stöbern sowie digitale Beratung als Kernstärke ausbauen
- E-Commerce-Personalisierung als Differenzierungsfaktor nutzen, um im richtigen Moment Relevanz zu schaffen und Kundenbindung aufzubauen, die über den einzelnen Kauf hinausgeht
- Vertrauen, Markenwelt und direkte Kundenbeziehung aktiv gestalten
- Auffindbarkeit für KI-Assistenten sicherstellen, damit LLMs Produkte korrekt verstehen und weiterempfehlen können
Beide Shoptypen benötigen eine saubere technische Grundlage. Die Priorität ist jedoch unterschiedlich: Commodity-Shops sollten vor allem ihre Transaktionsfähigkeit verbessern, Erlebnis-Shops die Qualität von Suche, digitaler Beratung, Inspiration und Kundenbindung.
|
Commodity-Shop |
Erlebnis-Shop |
| Auswirkung |
Direkt: Agenten können standardisierte Käufe vorbereiten oder auslösen |
Indirekt: Discovery und Auswahl können sich teilweise in externe Interfaces verlagern, Aufmerksamkeit und Geduld der Kunden sinken |
| Rolle des Shops |
Zugänglicher und zuverlässiger Transaktionskanal |
Erlebnis-, Beratungs- und Beziehungsraum |
| Erfolgsfaktor |
Produktdaten, Verfügbarkeit und technische Zugänglichkeit |
Inspiration, Emotion und Vertrauen |
| Wichtigste Handlungsfelder |
Produktdaten, Schnittstellen und Reorder-Prozesse |
Suche, Beratung, Inspiration, Kundenbindung |